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Block 5.3 - Interview with Harry

Bengalos in der West, Kämpfe am Hauptbahnhof, atemberaubende Stimmung auf dem Betzenberg. Oft wird nach ernüchternden Spielen auf etlichen Internetseiten über die „Gute alte Zeit“ geschrieben. Wir trafen uns mit Harry aus Block 5.3 und ließen ihn mal zu den unterschiedlichsten Themen in einem offenen und ehrlichen Interview zu Wort kommen!

Wann war Dein erstes Spiel beim FCK und wie lief das alles ab?

Ich bin jetzt 51 Jahre alt geworden. Genau weiß ich nicht mehr, wann mein erstes Spiel war, nehme aber an, dass es 1967 war. Der Vater meines Nachbarn hat als Ordner geschafft und hat uns dann da rein gelassen. 1968 wurd’ ich dann Mitglied beim Betze und hab Fußball gespielt und als aktives Mitglied hat man dann freien Eintritt gehabt. Zu dieser Zeit stand ich immer auf der Ost und bin zu so ziemlich jedem Heimspiel gegangen. Auswärts natürlich auch, aber nur wenn es ging.

interview_1

Du bist dann ja irgendwann zu den Hools gekommen. Wie kam es dazu?

Das war mehr ein schleichender Prozess. Fußball hat für uns immer an erster Stelle gestanden - davor ein Bierchen trinken und dann mal sehen. Zu dieser Zeit hatte ich noch am Friedhof gewohnt und wir hatten uns immer mehr Fahnen gemacht. So wurden wir von Zeit zu Zeit immer mehr und standen dann am Anfang mit 30 Jungs in der Ost. Nach dem Spiel, ich glaub 1973, gegen den Wuppertaler Sportverein standen wir dann in der West. Die haben damals im Gästeblock mit Tränengas etc. rumgewütet, ja und dann sind halt alle mit rüber. Und seitdem sind wir dann auch in die Westkurve gegangen, es war halt einfach „cooler“. Es ist schwer zu sagen, wie sich dann alles weiter entwickelt hat. Wie bereits gesagt, war das alles mehr ein schleichender Prozess. Die ganzen Aktionen waren ja so in etwa wie eine Trophäensammlung. Damals gegen Frankfurt, da hatten die Frankfurter so Fahnen, da sind wir rüber und haben die denen abgenommen und komplett zerschnitten. Mein ganzer Schrank war voll mit so Zeug. Meine Mutter hat dann natürlich ’nen Herzkasper gekriegt. Organisiert waren wir damals aber nicht so richtig, die ganze Vereinsmeierei ging mir nicht so ab. Damals als es das First Class gab, sind wir dann immer so mit 300 Mann durch die Stadt gezogen und wenn Du dann die Kölner oder so gesucht hast und es hieß, die sind am Friedhof, dann sind halt alle dahin gezogen. So richtige ausgemachte Dinger waren das dann nicht. Hast in der Kneipe gesessen und wenn dann ein Mob Schalker um die Ecke kam, sind halt alle drauf.

Was in diesem Zusammenhang interessant erscheint, wie war es damals mit der Polizei? Du erzählst man konnte sich relativ frei bewegen?

Die haben dann immer versucht, die anderen von uns weg zu halten, aber wenn es mal geknallt hat, waren wir natürlich immer die Deppen und die andern konnten dann herum spazieren. Aber wenn die Polizei kam, dann gab’s mal ’nen Knüppel auf den Kopf und dann war Ruhe, da wurd’ keiner mitgenommen oder so. Da hast du Dich geboxt und es war Ruhe. Verabredungen hat’s damals noch gar nicht gegeben. Es hat ja noch gar keine Handys gegeben!

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Viele reden immer von der Rivalität gegen Mannheim und man hört immer andere Geschichten, wie es dazu kam. Wie siehst Du das denn?

Ich denke, das kommt von damals, als Alsenborn in die erste Liga hätte aufsteigen können. Die haben ja kein Stadion gehabt, deswegen hat der FCK gesagt, die können bei uns spielen, immer abwechselnd der Betze auswärts und Alsenborn zu Hause. Die haben jedoch vom DFB das verboten bekommen. Mannheim hatte ja das gleiche Problem, nur haben die erlaubt bekommen, in Ludwigshafen zu spielen. Und ich denk, da hat es angefangen mit dem Hass, weil sie das durften und wir nicht. Als der Betze umgebaut worden ist, hatten wir ja auch ein paar Spiele in Ludwigshafen, das hatte den Mannheimern natürlich auch gestunken. Da gab’s ein paar ordentliche Spiele.

Da du gerade Stuttgart erwähnst, wie haben sich die Kontakte dorthin denn entwickelt?

Das ist jetzt ja erst so zwei, drei Jahre her. Da hat man nach dem Acker halt noch ein Bierchen getrunken und irgendwann ist halt mal einer mit auf ein Lauternspiel gegangen und aus dem einen wurden dann halt immer mehr, wie das halt so ist. Das mit Stuttgart find ich ’ne klasse Sache, ist immer ganz nett die Geschichten zu hören. Ich war ja nie so der Freund von großen Freundschaften, so wie früher zu Düsseldorf.

Kontakte zu Düsseldorf? Vielen dürfte diese Geschichte neu sein. Erzähl mal.

Ja, wir sind früher immer zusammen gegangen. Die sind her gekommen, das Auto voller geklauter Klamotten, und die haben sie dann im First Class billig verkauft. War schon eine schöne Zeit. Der Osten war da ja noch eingezäunt. Trotzdem war’s mit 60 damals schöner. Wir sind dann immer zu den Aufstiegsspielen von denen und so gefahren.

Wie war’s denn mit Material von anderen Vereinen, gab’s damals schon das große Fahnenziehen?

Ja, hat man ja auch schon gern mal gemacht. Da hast so ein Ding erbeutet und dich gefreut, dass die anderen sich ärgern. Einmal gegen Düsseldorf, da sind wir von der West rüber und auf die drauf. Plötzlich haben die mir ’nen Morgenstern an den Kopf gehauen. Da bist du halt langgelaufen und hast die mit ihren Schals stehen gesehen und bist draufgegangen.

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Du hast ja gesagt, Fußball war trotzdem bei euch immer an erster Stelle. Hattet ihr in der West einen bestimmten Bereich, wo ihr gestanden habt?

Ja in der Westkurve ziemlich rechts Richtung Südtribüne. Wenn wir vor dem Spiel unterwegs waren, wurde unser Bereich immer freigehalten. Wir sind dann in die überfüllte Westkurve gekommen und für uns wurde immer ein Platz freigehalten. Ich finde, das ist auch irgendwie okay. Das fehlt heute so ein bisschen. Jetzt bin ich ja schlauer als früher, wir hätten das direkt ein bisschen mehr wie die Italiener machen sollen, dass man so seinen eigenen Eingang hat, nicht groß anstehen muss. Das ist jetzt aber zu spät.

Habt ihr damals viele Lieder angestimmt, oder wart ihr gar für die Gesänge „verantwortlich“?

Würd’ ich schon sagen, das war aber ja nicht so wie jetzt. Das war richtig fließend. Aber die Kurve ist jetzt dafür ja viel zu groß, deshalb versteh ich auch nicht, wenn sie immer über den Vorsänger reden. Ich glaube, ohne so etwas geht das heute ja nicht mehr. Die Kurve ist einfach viel zu groß. Als das Dach weg war, beim Umbau, da war’s ein bisschen wie früher. Was ich auch nicht versteh’, sind die Leute, die immer meinen, die Mädels dürfen nicht in die Kurve. Meine Tochter, die ist jetzt 15, die ist verrückter als ich. Letztens hat sie wegen ‘ner Niederlage auf DSF geheult. Daher versteh ich nicht, wie man sich anmaßen kann, zu sagen, dass die nix in der West verloren haben. Man darf halt nicht so eng denken! Die nehmen ja keinen den Platz weg.

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In Gesprächen hört man immer wieder, das Spiel gegen den 1.FC Köln am 18.05.2008 war das wichtigste der Vereinsgeschichte. Was sagst du dazu?

Natürlich ist das so, war enorm wichtig für unseren Verein! Aber es gab schon auch andere schöne Spiele. Damals gegen Madrid oder die Aufholjagd gegen die Bayern. Aber auch das Spiel in Köln war klasse, 30.000 Lautrer! Vor dem Eingang hat‘s da auch ordentlich geknallt. Hatte da die Kamera dabei (lacht). Ich war damals nicht unten am Platz an der Außenlinie, hat aber auch vollkommen gereicht, im Stadion zu sein. Spiele in Verona waren auch klasse. Jeder hat einem immer die Hand gegeben und die Leute begrüßt. Das erste Spiel gegen Mailand, da kamen die Mailänder nach dem Spiel. Dort ist so eine vierspurige Straße vor dem Stadion, auf der die dann alle her gekommen sind, alle über die Autos drüber. Da hat’s auch mal dort geknallt, Verona ist weitergerannt und wir sind stehen geblieben. Aber als die Bullen mit ihren Granaten kamen, war’s auch schon wieder vorbei. War aber schon was Neues für die Italiener, so Sachen wie Tränengas und so Zeug haben die ja gar nicht gekannt! Haben das dann immer dorthin mit genommen. Bengalos haben wir auch immer über die Leute aus Verona bestellt. So was gab es bei uns früher noch nicht zu kaufen. Hatten dann denen bescheid gesagt, wieviel wir brauchen und die haben es uns dann per Post geschickt. Wir waren die ersten in Deutschland, die Bengalos zündeten. Da sind wir auch sehr stolz drauf. Auch heute fahren immer noch Leute runter nach Verona, um die Jungs dort zu besuchen.

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Zurück in die Gegenwart, wie hast Du denn das letzte Spiel in Mannheim erlebt?

Ja, wie die meisten bin ich auch zu spät reingekommen. Haben in der ersten Reihe bei den Bullen gestanden und gemeint, lasst uns rein! Kamen dann auch erst später rein, obwohl jeder ‘ne Karte hatte. Aber da kannst heute ja nix mehr machen. Du wirst ja direkt verhaftet. aber das einzige Mal, wo die Bullen mich bekommen haben, war damals bei ‘nem Spiel gegen Frankfurt. Die Frankfurter, das war‘n so Rocker, lange Haare, Lederjacken. Wo’s beim Kreisel nach rechts geht, da hat denen ihr Bus gestanden. Da hatten die gerufen: „Ihr Lauterer Wichser“. Das haben wir uns dann nicht gefallen lassen, sind hin und da hab ich ein Stein in den Bus geworfen. Dann sind wir ab in die Fabrikstraße, aber dann doch nochmal zurück und da waren dann die Bullen. Wäre ich weitergelaufen, wäre natürlich nix mehr passiert. Ich musste 200 Mark bezahlen und dem Kerl die Busscheibe, das war alles damals! Kein Stadionverbot und nix.

Was für Tipps gibst du uns auf den Weg? Was ist falsch gelaufen?

Ich fand das am Anfang immer etwas komisch, als es hieß: „Keiner fährt nach Mannheim auf das Fußballturnier, keiner!“ Da hab ich mir gedacht, was nehmen die sich da raus? Die können doch den normalen Fans keine Sachen verbieten, hab ich gedacht. Das kommt dann halt auch komisch rüber! Aber heutzutage steht man ja endlich besser in Kontakt, so soll das ja auch sein, hat ja jeder seine Daseinsberechtigungberechtigung in der Kurve! Aber der Hopp macht doch kein Geld mit dem Harder-Cup, das sind doch nur Peanuts. Waren früher auch auf Turnieren in Mannheim. Als welche festgenommen wurden, haben wir uns mit 300 Mann vor das Präsidium gesetzt. Sind da ja nicht wegen dem Fußball hingefahren, eher wegen den Gegnern.

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Lautern International, hast Du hierzu noch ‘ne nette Geschichte auf Lager?

Damals in Spanien bei dem scheiß Spiel, wo war das nochmal? Alavés! Waren da ‘ne richtig gute Truppe. Bei Biarritz so gegen 2:00 Uhr, ‘ne kerzengrade Straße, vorne war ein Licht, da winkt uns einer raus auf so ein Schotterplätzchen. Das war allerdings die Polizei, haben die die Tür aufgemacht und die Maschinenpistole durchgeladen und gerufen: „Drugs, Drugs!“. Hatten dann nochmal Glück, da sie uns glaubten, dass wir nur beim Fußball waren. Dachten wohl zuerst, wir wären irgendwie so baskische Schmuggler oder so gewesen. Da hat Stefan seine Frau angerufen und gemeint, wir kommen ein bisschen später. Sie fragte: „Wie? So 1-2 Stunden oder was?“, worauf er meinte: „Nee, nee, 1-2 Tage!“. Das war echt ‘ne geile Fahrt gewesen!

 

 

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